Duales Studium
Ausbildung oder Studium? Du musst dich gar nicht entscheiden – mach doch einfach beides in Kombination: ein duales Studium.
Diese Form kombiniert die Theorie unmittelbar mit der Praxis.
Was ist ein duales Studium?
Im dualen Studium kombinierst du ein Studium an der Hochschule mit einer praxisnahen Ausbildung im Unternehmen. Dabei wechseln sich Theoriephasen an der (Dualen) Hochschule und Praxisphasen im Betrieb regelmäßig ab. So kannst du dein theoretisches Wissen direkt in der Praxis anwenden und bringst umgekehrt wertvolle Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag im Unternehmen in die Vorlesungen ein.
Ein duales Studium in Deutschland bietet viele Vorteile: Du erhältst schon während des Studiums ein monatliches Gehalt / eine Vergütung vom Praxispartner (Unternehmen) und bist damit finanziell deutlich unabhängiger. Gleichzeitig sammelst du Berufserfahrung, arbeitest an realen Projekten und baust früh wichtige Kontakte sowie ein berufliches Netzwerk auf. Das verbessert deine Karrierechancen erheblich und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme nach dem dualen Studium bzw. eines schnellen Berufseinstiegs nach dem Abschluss.
Welche Abschlüsse und Formen des dualen Studiums gibt es?
Am gängigsten ist der duale Bachelor-Studiengang. Mit der steigenden Zahl an Absolvent:innen wächst zugleich das Interesse an einem dualen Master bzw. dualen Master-Studium. Darauf reagieren Unternehmen und Hochschulen mit passenden Angeboten, die häufig als integrierte Master-Studiengänge bezeichnet werden.
Insgesamt gibt es vier Formen des dualen Studiums. Sie unterscheiden sich vor allem danach, ob du direkt nach der Schule (z. B. mit Abitur oder Fachhochschulreife) startest oder bereits erste Berufserfahrung mitbringst. Je nach Modell variieren Zulassungsvoraussetzungen, Praxisanteil und die spätere Karriereperspektive.
Ausbildungsintegrierend
Das ausbildungsintegrierende duale Studium ist besonders für Schulabgänger geeignet und zählt zu den bekanntesten Formen des dualen Studiums. Es verbindet eine betriebliche Berufsausbildung im Unternehmen bzw. Ausbildungsbetrieb mit einem akademischen Studium. Der Ablauf erfolgt je nach Modell im Blockmodell oder Wochenmodell. Am Ende erreichst du gleich zwei Ziele: einen Berufsabschluss (IHK/HWK, je nach Ausbildung) und einen Bachelor-Abschluss bzw. akademischen Abschluss.
Gut zu wissen: Es gibt Ausbildungen, bei denen du neben der Arbeit im Ausbildungsbetrieb und den Vorlesungen an der Hochschule auch noch Kurse an der Berufsschule besuchen musst.
Praxisintegrierend
Das praxisintegrierende duale Studium ist ideal, wenn du keine klassische Berufsausbildung absolvieren möchtest, aber trotzdem während des Studiums praxisnahe Berufserfahrung sammeln willst. Die Praxisphasen können bei einem Unternehmen oder auch in mehreren Betrieben stattfinden – je nach Studienmodell im Blockmodell oder Wochenmodell.
Im Unternehmen bist du meist als Mitarbeiter oder Praktikant tätig. Am Ende erhältst du einen akademischen Abschluss (z. B. Bachelor) ohne zusätzlichen Berufsabschluss.
Berufsintegrierend
Das berufsintegrierende duale Studium passt zu dir, wenn du bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hast und zusätzlich einen Hochschulabschluss (z. B. Bachelor/Master) machen willst. Du arbeitest weiterhin im Unternehmen und studierst berufsbegleitend, meist mit reduzierter Arbeitszeit. Dafür brauchst du in der Regel die Zustimmung deines Arbeitgebers.
Gut zu wissen: Viele Hochschulen rechnen Ausbildung und Berufserfahrung an. So ist die Zulassung teilweise auch ohne Abitur/Fachhochschulreife möglich (abhängig von Hochschule und Bundesland).
Berufsbegleitend
Das berufsbegleitende duale Studium richtet sich vor allem an Berufstätige, die sich akademisch weiterqualifizieren möchten. Häufig ist es als Abendstudium oder Fernstudium organisiert: Du arbeitest Vollzeit und studierst nach Feierabend oder flexibel neben dem Job.
Wichtig ist die Abstimmung mit dem Arbeitgeber, da du für einzelne Prüfungen oder verpflichtende Präsenztermine/Theorieblöcke teilweise freigestellt werden musst.
Beliebte Studiengänge für ein duales Studium
Was sind die Vorteile eines dualen Studiums?
- Kombination aus Theorie und Praxis
Im dualen Studium wendest du dein Wissen direkt im Unternehmen an und kannst deine Erfahrungen aus der Praxis im Studium besser einordnen, reflektieren und vertiefen. - Gehalt im dualen Studium
Du erhältst während des dualen Studiums eine Vergütung / ein Gehalt. Wie hoch dein Gehalt im dualen Studium ausfällt, hängt u. a. von Branche, Unternehmensgröße und Standort ab. - Gute Studienbedingungen
Viele duale Studiengänge punkten mit kleineren Lerngruppen, engem Praxisbezug und häufig moderner Ausstattung. Informiere dich vorab gründlich über Studieninhalte, Ablauf und den Praxispartner. -
Anspruch auf Kindergeld
Wenn du unter 25 Jahre alt bist, besteht in der Regel auch während des dualen Studiums weiterhin Anspruch auf Kindergeld (abhängig von deiner individuellen Situation). -
Starke Karrierechancen & Übernahme
Absolvent:innen sind durch die enge Verzahnung von Studium und Praxis bei Arbeitgebern sehr gefragt. Oft besteht eine gute Chance auf Übernahme im Unternehmen und einen schnellen Berufseinstieg nach dem Abschluss.
Welche Voraussetzungen muss ich für ein duales Studium erfüllen?
Für ein duales Studium benötigst du eine Hochschulzugangsberechtigung. Das bedeutet: In der Regel brauchst du die Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder die Fachhochschulreife (Fachabitur) .Alternativ ist der Einstieg je nach Hochschule auch über eine abgeschlossene Berufsausbildung und entsprechende Berufserfahrung möglich. Zusätzlich musst du dich bei einem Unternehmen als Praxispartner bewerben, sofern du dort noch nicht beschäftigt bist. Meist gibt es ein Auswahlverfahren, in dem du deine Eignung für das duale Studium nachweist: Neben den Bewerbungsunterlagen gehören häufig ein Vorstellungsgespräch und/oder ein Assessment-Center dazu.
Hast du ein passendes Unternehmen gefunden, das dein duales Studium begleitet, schließt dieses einen Kooperationsvertrag mit der Hochschule ab, an der du den Studiengang absolvieren möchtest. Da die konkreten Zulassungsvoraussetzungen und Abläufe je nach Unternehmen, Hochschule und Studiengang unterschiedlich sind, empfiehlt es sich, sich frühzeitig über die jeweiligen Anforderungen und Bewerbungsfristen zu informieren.
Wie läuft das duale Studium ab?
Das duale Studium ist eine Kombination aus theoretischen Studienphasen an einer Hochschule und praktischen Phasen in einem Unternehmen. Der genaue Ablauf hängt davon ab, in welchem Modell du dual studierst.
Phasen und Modelle
Im groben lässt sich ein duales Studium als Verbindung aus Theorie- und Praxisphasen, die in zwei Modellen angewendet werden beschreiben.
- Theoriephase: Diese Zeit ist die Studienphase an einer Hochschule. Dort nimmst du an Vorlesungen, Seminaren und Übungen teil und absolvierst verschiedene Prüfungen. Die Theoriephasen dauern je nach Modell einige Tage bis hin zu einigen Monaten.
- Praxisphase: Für die Praxisphase wechselst du zum Unternehmen und arbeitest du aktiv bei deinem Arbeitgeber mit. Dort sammelst du praktische Erfahrungen als Ergänzung zu deinem Studiengang. Die Praxisphasen können je nach Unternehmen und Modell unterschiedlich lang sein.
Das Blockmodell und das Wochenmodell sind zwei verschiedene Varianten im dualen Studium, bei denen sich Theorie- und Praxisphasen abwechseln.
- Beim Blockmodell absolvierst du abwechselnd längere Phasen am Stück, meistens mehrere Wochen oder Monate, entweder im Betrieb oder an der Hochschule. In der Hochschulphase werden Module bearbeitet und Prüfungen abgelegt. Anschließend folgt wieder eine Phase, in der du dich auf deine Arbeit im Betrieb konzentrierst.
- Beim Wochenmodell wechseln sich Theorie- und Praxisphasen in der Woche ab. In der Regel verbringst du zwei bis drei Tage pro Woche an der Hochschule und die restliche Zeit im Betrieb. Der Vorteil des Wochenmodells liegt darin, dass Theorie und Praxis kontinuierlich aufeinander aufbauen und die neu erworbenen Kenntnisse direkt angewendet werden können.
Allgemeiner Ablauf
- Bewerbung: Wenn du nicht bereits bei einem Unternehmen tätig bist, bewirbst du dich bei einem Betrieb für ein duales Studium.
- Vertragsabschluss: Ist deine Bewerbung erfolgreich, schließt du mit dem Unternehmen einen Ausbildungs- oder Studienvertrag ab. Dieser regelt deine Rechte und Pflichten während des dualen Studiums.
- Semesterferien: In der Regel hast du auch im dualen Studium Semesterferien. Die genaue Dauer und Gestaltung der Semesterferien können allerdings je nach Hochschule und Studiengang unterschiedlich sein. Manche Studierende müssen während der Semesterferien im Unternehmen reguläre Praktika absolvieren oder Projektarbeiten erledigen.
- Dauer: In der Regel dauert ein duales Studium zwischen drei und fünf Jahren. Die genaue Studiendauer hängt von Studiengang und Hochschule ab. Und auch davon, ob das duale Studium als Bachelor- oder Masterstudiengang angeboten wird. Dabei ist das praxisintegrierende duale Studium kürzer als das ausbildungsintegrierende duale Studium, wo du ja auch noch mit einer Berufsausbildung abschließt.
- Abschluss: Nach Absolvierung aller Theorie- und Praxisphasen schreibst du deine Abschlussarbeit. Diese bezieht sich oft auf ein Projekt oder eine Aufgabe, die du während deiner praktischen Phasen im Unternehmen bearbeitet hast. Nach Bestehen der Arbeit erhältst du den akademischen Abschluss (z. B. Bachelor) und im Falle der ausbildungsintegrierenden Variante auch den beruflichen Abschluss (z. B. IHK-Abschluss).
Ist ein duales Studium schwer? Das sind die Herausforderungen:
- Organisationsfähigkeit ist gefragt
Als dual Studierender hast du ein hohes Arbeitspensum zu bewerkstelligen: In relativ kurzer Zeit sollst du einen Studiengang absolvieren und gleichzeitig noch motiviert im Betrieb mitarbeiten. - Wenig Flexibilität
Deine Entscheidung für einen bestimmten dualen Studiengang sollte sorgfältig überlegt sein, denn wenn du erstmal begonnen hast, ist der Studienverlauf inklusive eines bestimmten Tätigkeitsfeldes im Unternehmen relativ festgelegt. Außerdem solltest du wissen, dass ein Abbruch des Studiums nur schwer möglich ist. Dein Betrieb geht für dich in Vorleistung und zahlt in der Regel auch die Studiengebühren. Wenn du abbrichst, kann es sein, dass eine Rückzahlung der geleisteten Zahlungen von dir verlangt wird.
- Der Fokus liegt auf der Praxis
Wer ein duales Studium wählt, bekommt direkten Praxisbezug. Das bedeutet auch, dass wissenschaftliches Arbeiten und Forschung nicht genauso tief wie in einem Vollzeitstudium behandelt werden. Überlege also vorher sorgfältig, wohin dein Weg führen soll. Möchtest du beispielsweise einmal selbst Wissenschaft lehren, ist das duale Studium nicht die optimale Wahl.
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Duales Studium FAQ
Ein duales Studium finden an zwei Lernorten statt: an der Hochschule und in einem Unternehmen. Die theoretischen Vorlesungszeiten an der Hochschule wechseln sich mit Praxisphasen im Betrieb ab.
Hier gibt es verschiedene Modelle: Einerseits kann der Wechsel zwischen den Phasen innerhalb der Woche erfolgen – dann bist du zum Beispiel drei Tage im Betrieb und zwei Tage an der Uni. Andererseits gibt es auch das Blockmodell, wobei du immer mehrere Monate am Stück im Betrieb und dann an der Uni bist. Bei einigen dualen Studiengängen fallen die Unternehmens-Blöcke dann in die Semesterferien.
Ein duales Studium kann durchaus anspruchsvoll sein, da es akademische und berufliche Anforderungen kombiniert. Daher erfordert es ein hohes Maß an Selbstorganisation und Zeitmanagement, um beide Bereiche erfolgreich zu bewältigen. Im Gegenzug bringt es dir allerdings jede Menge Praxiserfahrung und verbessert deine Aussichten auf dem Arbeitsmarkt enorm.
Beim ausbildungsintegrierenden dualen Studium machst du gleich zwei Abschlüsse. Du erwirbst neben einem akademischen Grad auch den Abschluss in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf. Dafür musst du Abitur oder Fachhochschulreife mitbringen und einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen unterschreiben.
Beim „klassischen“ praxisintegrierenden dualen Studium wechseln sich ebenfalls Vorlesungszeiten und Praxisblöcke ab, neben dem akademischen Grad erlangst du aber keinen Abschluss in einem Ausbildungsberuf.
Wer bereits arbeitet, kann sich mit einem berufsintegrierenden dualen Studiengang beruflich weiterbilden – eine Möglichkeit, berufsbegleitend zu studieren. Die Inhalte des dualen Studiums beziehen sich auf die berufliche Tätigkeit, der Betrieb stellt dich dafür frei.
Mit einem klaren Ziel vor Augen, hast du die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches duales Studium. Belastbarkeit, selbstständiges Arbeiten und die Fähigkeit sich organisieren zu können, sind zudem hilfreich, um gut durch die Studienzeit zu kommen.
Bei all den Vorteilen eines dualen Studiums solltest du allerdings wissen, dass du definitiv weniger Raum für Freizeit als in einem Vollzeitstudium hast.
Um einen der begehrten Plätze zu ergattern, solltest du rechtzeitig, etwa eineinhalb Jahre vor Studienbeginn, anfangen, dich zu informieren. Bewerben kannst du dich direkt bei den Unternehmen, die über Stellenanzeigen ihre Plätze ausschreiben oder du bewirbst dich bei einer Hochschule, welche dir dann hilft, ein Unternehmen zu finden.
Ja, da immer mehr duale Studiengänge angeboten werden, sind inzwischen auch einige Master-Studiengänge dabei. Ein dualer Master erleichtert dir den Berufseinstieg.