Germanistik studieren
Darum geht es im Germanistik-Studium …
Vom mittelalterlichen Nibelungenlied und Handschriften aus dem 16. Jahrhundert bis hin zur deutschsprachigen Comicszene und Instagram-Posts berühmter Influencer:innen! Im Germanistik-Studium setzt du dich mit dem vielschichtigen Spektrum der deutschen Sprache und Literatur auseinander.
Dazu gehören Sprachwissenschaft, auch Linguistik genannt, und Literaturwissenschaft, unterteilt in ältere und neuere deutsche Literatur. In der Literaturwissenschaft beschäftigst du dich unter anderem damit, wie Erzählen funktioniert. Du untersuchst unterschiedliche Schreibtechniken und beleuchtest Themen im historischen Kontext.
Die Sprachwissenschaft erforscht die Bedeutung von Wörtern, die Morphologie, und die Syntax, also den Aufbau von Sätzen, inklusive der grammatischen Formen und ihrer Funktionen. Sie befasst sich mit der Sprache als Kommunikationsmedium. Auch Dialekte und Soziolekte werden behandelt. Mit Soziolekte ist der Sprachgebrauch einer sozialen Gruppe gemeint, etwa Jugendsprache.
„Im Germanistikstudium blickt man oft in die Vergangenheit. Aber gerade das hilft uns, gesellschaftliche Phänomene besser zu verstehen. Und es gibt uns Aufschlüsse über aktuelle Debatten, zum Beispiel über Geschlechterbilder.“, sagt Jan Standke, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Hochschulgermanistik im Deutschen Germanistenverband.
Auch die Bedeutung von Migration, Globalisierung oder Digitalisierung für die deutsche Sprache kann ein Thema sein. Wer ein bestimmtes Gebiet besonders interessant findet, entscheidet sich für einen spezialisierten Studiengang wie „Germanistische Linguistik“ oder „Literatur, Kultur, Medien“.
Hier sind passende Germanistik-Studiengänge und Hochschulen
Das sagen Studierende über Germanistik
Typische Fragestellungen von Germanist:innen
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Wie verändert die Digitalisierung das Lesen und Schreiben?
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Was macht einen Helden aus, und wie hat sich das im Lauf der Zeit verändert?
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Wie können Schüler:innen ihr Sprachrepertoire erweitern?
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Wie unterscheidet sich die Syntax des Mittelhochdeutschen von heutiger Syntax?
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Welche feministischen Themen werden in der zeitgenössischen Literatur aufgegriffen?
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Welche Bedeutung haben klassische Autoren wie Goethe oder Kafka für die heutige Literatur?
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Wie funktioniert Sprache in der Kommunikation in verschiedenen sozialen Kontexten?
Voraussetzungen für ein Germanistik-Studium
Was braucht man, um Germanistik zu studieren?
Für die Zulassung zum Germanistik-Studium benötigst du Abitur oder Fachhochschulreife. Zudem wird an manchen Universitäten eine gute Durchschnittsnote vorausgesetzt. Auch sehr gute Deutschkenntnisse sind erforderlich.
Darüber hinaus solltest du dich für die deutsche Sprache und Literatur interessieren. Da du dich im Studium kritisch mit Texten auseinandersetzt, Fragestellungen analysiert und Hausarbeiten sowie Referate verfasst, solltest du über kritisches und analytisches Denkvermögen, aber auch Kommunikationstalent verfügen.
Durchschnitt / NC für Germanistik
Nur wenige Hochschulen beschränken die Zulassung zum Germanistik-Studium durch einen NC, oft liegt er zwischen 2.0 und 3.0.
Germanistik ohne Abi oder mit Fachabi studieren
Du willst Germanistik studieren, hast aber kein Voll- oder Fachabi? Kein Problem! Wenn du eine Ausbildung abgeschlossen und mehrere Jahre Berufserfahrung hast oder eine berufliche Fortbildung vorweisen kannst, ist das dein Ticket ins Studium. Wichtig dabei ist, dass es sich um ein fachgebundenes Berufsbild handeln muss. Als Fortbildungsnachweis gelten beispielsweise die Fachwirtprüfung, der Meisterbrief oder die Technikerprüfung.
Alle Germanistik-Städte in der Übersicht
Das bietet dir ein Studium im Fach Germanistik noch
Germanistik passt zu dir, wenn...
… Sprache und Literatur deine Leidenschaften sind.
… du neugierig auf die deutsche Kultur und Geschichte bist.
… du Freude am Analysieren und Interpretieren hast.
… dich Grammatik, Sprachstruktur und sprachliche Systeme interessieren.
… du dich für Dialekte und sprachliche Entwicklung begeisterst.
„Wer gern viel und vielfältig liest, Freude daran hat, mit anderen über Literatur, Medien und Kommunikation zu diskutieren, und verstehen möchte, wie Sprache unsere Welt gestaltet, ist in der Germanistik gut aufgehoben“, sagt Jan Standke.
Selbst für Muttersprachler ist der Studiengang anspruchsvoll. Denn es geht darum, Sprache sowie Sprachtheorien zu analysieren und sich wissenschaftlich mit Literatur auseinanderzusetzen. Dabei musst du dich auch auf Texte in Alt- oder Mittelhochdeutsch einlassen, die nicht sofort verständlich sind.
„Es kann spannend und unterhaltsam sein, auf diese Weise in fremde Welten abzutauchen“, sagt Standke. „Gleichzeitig lernt man dadurch viel über dem Umgang mit dem historisch oder gegenwärtig Fremden.“
Von Professor:innen empfohlene Fähigkeiten
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Abstraktes / logisches / analytisches Denkvermögen
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Kommunikationsfähigkeit / Sprachkompetenz / Ausdrucksfähigkeit
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Argumentations-/Diskussionsfähigkeit
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Lese- und Schreibkompetenz / Textverständnis / Freude am Lesen
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Reflexions- und Kritikfähigkeit / kritisches Denken
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Fähigkeit zur Selbstreflexion
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Eigeninitiative
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Selbständiges, (selbst)organisiertes und -diszipliniertes Lernen und Arbeiten / Selbstmanagement / Bereitschaft zum Selbststudium
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gute Deutschkenntnisse
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gute Allgemeinbildung
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Interesse an Literatur
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Interesse an Sprache
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Interesse an Forschung und wissenschaftlichem Arbeiten
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Interesse an der Auseinandersetzung mit Theorien
Quelle: Professor:innenbefragung im Rahmen des CHE Rankings 2025/26, n = 149.
Berufe nach einem Germanistik-Studium
Der Großteil der Germanistik-Studierenden strebt an, als Deutsch:lehrerin an Schulen zu lehren. Aber neben dem Bildungswesen stehen dir viele weitere spannende Branchen offen, zum Beispiel:
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Journalismus
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Verlagswesen
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Kulturelle Berufe
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Marketing
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PR und Kommunikation
Als Texter:in im digitalen Bereich schreibst du zum Beispiel Webtexte für Internetseiten, Blogs oder Social Media. In einem Verlag kannst du als Lektor:in Fehler in Texten aufdecken. Und als Expert:in für Public Relations bist du in einem Unternehmen für die Kommunikation nach außen verantwortlich.
Germanist:innen können mit einem Durchschnittsgehalt von 41.000 bis 51.000 Euro brutto im Jahr rechnen. Wobei die Höhe deines Lohns von vielen Faktoren abhängt, darunter sowohl deine Berufserfahrung als auch Standort, Branche und Größe des Unternehmens beziehungsweise Arbeitsgebers.
Germanistik studieren – Inhalte und Ablauf
In den ersten Semestern des Germanistik-Studiums belegst du überwiegend einführende Pflichtveranstaltungen. Hier lernst du Grundbegriffe und Methoden der Sprach- und Literaturwissenschaft kennen.
Auf deinem Stundenplan stehen meist Fächer wie:
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Phonetik und Phonologie
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Morphologie und Syntax
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Semantik und Pragmatik
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Dialektologie und Soziolinguistik
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Epochen der deutschen Literatur
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Gattungstheorien
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Kulturgeschichte
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Medienwissenschaft
Danach bist du freier in der Kursauswahl und kannst dich, je nach Interesse und Karrierezeil, entscheiden. Willst du dich lieber mit Syntax oder den Besonderheiten des Passivs im Deutschen beschäftigen? Reizen dich die Werke von Juli Zeh oder willst du mehr von Thomas Mann? Fasziniert dich die Weiterentwicklung des Althochdeutschs oder der Sprachgebrauch in den sozialen Medien?
Manchmal kannst du auch einen literatur- oder sprachwissenschaftlichen Schwerpunkt wählen. Viele Studiengänge beinhalten kultur- und medienwissenschaftliche Elemente oder Kurse zu vergleichender Literaturwissenschaft.
Wenn du Germanistik auf Lehramt studierst, kommt noch Didaktik hinzu. Dafür hörst du Veranstaltungen zu Methodik des Literaturunterrichts, Deutsch als Fremdsprache und Literaturdidaktik.
Wie lange dauert ein Germanistik-Studium?
Bis zum Bachelor-Abschluss dauert es sechs Semester, wenn du in der Regelstudienzeit bleibst. Für den Master solltest du weitere vier Semester einrechnen.
Wer das Ziel hat, Lehrer:in zu werden, geht nach dem abgeschlossenen Studium ins Referendariat. Das dauert eineinhalb bis zwei Jahre.
Was kostet ein Germanistik-Studium?
Wenn du an einer staatlichen Hochschule studierst, zahlst du halbjährlich einen Semesterbeitrag von ca. 200 bis 350 Euro. Der Beitrag ändert sich von Zeit zu Zeit und hängt vom Standort ab.
Entscheidest du dich für ein Studium an einer privaten Einrichtung, werden (meist monatlich) Studiengebühren fällig. Aktuelle Informationen zur konkreten Höhe der Zahlungen findest du auf den Websites der jeweiligen Hochschulen.
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